Samstag, 20. Dezember 2008

Die Deutsche Post

Als ich nach Hause kam, lag ein unschuldiger orangener Zettel in meinem Briefkasten. Ich freute mich, denn dies bedeutete, dass die bestellte Büchersendung endlich angekommen war. Ein genauerer Blick auf den Zettel verriet aber, dass das Paket nicht bei mir und noch nicht einmal bei meinen Nachbarn angekommen war. Ich sollte es bei der Post abholen. Der Gedanke, es könnte etwas länger dauern, beschlich mich.
Da ich gerade Zeit hatte, beschloss ich, sofort loszugehen. Glücklicherweise warf ich vorher noch einmal einen Blick auf den Zettel und stellte fest: ich durfte mein Paket erst am nächsten Tag ab 17 Uhr abholen. Was die wohl in der Zwischenzeit mit meiner Post gemacht haben?
Jedenfalls begab ich mich also am nächsten Tag, einem Freitag, nach der Schule und nachdem ich eine anstrengende Shoppingtour hinter mich gebracht hatte, zur Postfiliale meines Vertrauens. Als ich in der Straßenbahn saß, schaute ich auf die Uhr und sie zeigte 17:38 Uhr an. Erfahrungsgemäß brauchte die Straßenbahn 20 Minuten vom Bahnhof bis in das Stadtgebiet, wo ich wohne und wo sich auch die Filiale befindet.
Pünktlich 2 Minuten vor 6 stieg ich aus und rannte über die Straße. Ich stand vor der Tür, daran ein Zettel: "Wir sind umgezogen. Sie Finden uns nun in der xxx-Straße im Laden des Vietnamesen." Aha, dachte ich. Na toll... Aber das war gar kein Ausdruck der Wut, die ich hätte verspüren müssen, in Anbetracht dessen, was mir noch bevorstand.
Ich wusste, welcher Laden gemeint war und freute mich, dass dieser Kramladen endlich hatte weichen müssen. Da dieser sowieso auf meinem nach Hause- Weg lag, ging ich gleich noch dort vorbei um mein Glück zu versuchen, da ich nicht das ganze Wochenende auf mein Buch warten wollte.
Dort angekommen stutzte ich, denn der Laden des Vietnamesen war noch da. Wo war dann die Post? Ach da! Ein Schild. "Deutsche Post". Deutsche Post? Hier???? Sollte ich also diesen Laden betreten mit den Gartenzwergen, blinkenden Licherketten, rosa Wollpullovern? Ich wette, bevor die Post dort einzog, hat noch nie ein normaler Mensch diese Bude betreten. Ich ging zur Tür, dort stand innen auch schon die Frau des Besitzers mit einem Schlüssel in der Hand und schüttelte mit dem Kopf. Ich versuchte, sie durch Gebärden zu überzeugen, aber sie guckte nur ängstlich zu ihrem Mann herüber und schüttelte dann erneut den Kopf. Meine Uhr zeigte inzwischen 18:01 Uhr. Ich lies mich abwimmeln und ging erst mal Geld abheben. Danach versuchte ich es noch einmal. Dort stand nun noch ein verzweifelter Mann mit einem Kind auf dem Arm. Perfekt, dachte ich, sie würden Mitleid haben und so stellte ich mich hinter ihn. Mein Plan ging auf und wir wurden hereingelassen. Vor uns standen noch 3 andere Leute wartend in der Schlange. Es roch nach Ente süß- sauer oder was man sonst so in Vietnam isst. Eingequetscht zwischen geschmacklosen Kleidungsstücken, Kinderspielzeug, Reisschüsseln und einer Umkleidekabine, in der ein zusammengerollter Teppich stand, warteten wir also auf unsere Pakete. Mich irritierte, dass hinter uns die Tür zugeschlossen worden war. In Gedanken versunken wurde ich plötzlich von dem Besitzer angesprochen und er nahm mir meinen orangenen Zettel weg. Er verschwand in einem Hinterzimmer, suchte aber anscheinend wirklich nach meinem Paket und legte es schließlich tatsächlich der Postbeamten auf den Tresen. Wenigstens der Service stimmte also und ich erhielt letztendlch mein so hart umkämpftes Paket. Danach dauerte es zwar noch 5 Minuten, bis ich wieder aus dem Laden gelassen wurde, der ja zugeschlossen war, aber immerhin hatten sie mich als letzte Kundin nicht unauffällig in ein Hinterzimmer gesperrt. Niemand wäre je auf die Idee gekommen, mich dort zu suchen...



Ich distanziere mich hiermit von jeglicher Ausländerfeindlichkeit, denn in einem deutschen Kramladen wäre ich auch nicht glücklicher, meine Pakete abholen zu müssen.

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